VORZEIGEFRAU
Schein oder Sein
  AMEISENZERSCHNEIDER
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Marlen-Christine Kühnel

Roman
Belletristik, Frauenliteratur

ISBN 3-200-00201-8

Preis : € 17,00

  Josefa Mayer-Proidl
         
Roman
Belletristik

ISBN 3-9502172-0-7I
ISBN 978-3-9502172-0-9

Preis: € 19,00
 
         

 

 

Kalender 2009
"
LEBENSFREUDE NATUR "
Wandkalender Lyrik und Foto 2009


Kalender 2009 - LEBENSFREUDE NATUR


13 Blätter

Maße: Poster 29,7 x 42 cm
(DIN A 3  Hochformat), Spiralbindung, Hängevorrichtung

edition spruchreif.
ISBN 978-3-9502172-6-1

€ 15,00

         

 

 

Kalender 2009
aus der Reihe "Waldviertel regional"
"
LEBENSFREUDE UND NATUR IN SANKT LEONHARD AM HORNERWALD "
Wandkalender Lyrik und Foto 2009


Kalender 2009 - LEBENSFREUDE NATUR


13 Blätter

Maße: Poster 29,7 x 42 cm
(DIN A 3  Hochformat), Spiralbindung, Hängevorrichtung

edition spruchreif.
ISBN 978-3-9502172-8-5

€ 15,00

         

 

 

Geschenkkartenbüchlein 2008
"
ICH SAGS DIR DURCH DIE BLUME "
14 ausgewählte Geschenkkarten 2008


kalender 2008


14 herausnehmbare Geschenkkarten
auch als Lesezeichen verwendbar



edition spruchreif.
ISBN 978-3-9502172-4-7

€ 9,90

         

 

 

Kalender 2008
"
LEBENSFREUDE IN NIEDERÖSTERREICH"
Wandkalender Lyrik und  Foto 2008


kalender 2008


12 Monatsblätter

Maße: 29,7 x 42 cm (DIN A 3  Hochformat), Spiralbindung

edition spruchreif.
ISBN 978-3-9502172-3-0

€ 14,00

     

 

 

Waldviertel-Kalender 2008
TERMINE & GEBURTSTAGE

kalender 2008

12 Monatsblätter

Maße: 42 cm x 29,7 cm (DIN A 3  Querformat)
Spiralbindung
edition spruchreif.
ISBN

€ 14,00

     


edition spruchreif.
ISBN 3-9502172-1-5

€ 14,00

   

 

 

 

 

 


VORZEIGEFRAU

Schein oder Sein

Dieses Buch ist keine Anleitung zum Seitensprung.

Es erzählt vielmehr wie eine „Vorzeigefrau“, Paradebeispiel der verlogenen „Man-muß-Gesellschaft“, mit überkommenen Erziehungsmustern bricht und eintaucht in eine alles überwindende „neue“ Liebe.

Versteckt hinter der Fassade einer in der bürgerlichen Gesellschaft glänzenden „Vorzeigefrau“ schreibt Kristina
ihren Nachlaß. Beschreibt ihre doppelte Existenz zwischen gesellschaftlich und familiär bedingten Zwängen und der
Sehnsucht nach Liebe, nach dem alles überwältigenden Gefühl des Augenblicks.

Viele Frauen werden sich in diesem Roman wiedererkennen. Die Frage ist: haben auch sie den Mut ihre Wünsche zu leben,
oder verunmöglichen sie jede Veränderung und Entwicklung durch das immer wieder formulierte „Aber ...“?

 


INTERVIEWS
MIT UND ÜBER VORZEIGEFRAUEN
als kostenlose Beilage zum Buch.

edition spruchreif

ISBN 3-200-00201-8

 


All diese Frauen haben eine Botschaft für uns: Sie leben authentisch, bekennen sich zur Ehrlichkeit und haben vorgegebene Muster verlassen, um nicht daran zu zerbrechen oder ihrer Berufung zu folgen. Damit haben all diese Frauen etwas gemeinsam mit der Romanfigur Kristina. Sie werden viele Parallelen zwischen den Interviews und dem Roman entdecken.
Doch wie betrachtet ein Mann dieses Thema? Dazu lesen sie den Bericht von Herrn Dkfm. Thomas Schäfer-Elmayer, Inhaber der bekannten Tanzschule gleichen Namens. Thomas Schäfer-Elmayer: Inhaber der weltbekannten Tanzschule Elmayer, Buchautor, Seminartrainer. Ganz gezielt wurden Frauen für diese Interviews ausgesucht. Alle verbindet Mut ihr eigenes Leben zu leben. Stolpersteine zu überwinden. Immer wieder aufzustehen und weiterzugehen. Die auftauchenden „Aber“ als Hindernisse zur Kenntnis zu nehmen, sich von ihnen aber nicht blockieren zu lassen.Dr. iur. Senta Ziegler: seit über 30 Jahren Journalistin, jetzt Gesellschaftsredakteurin NEWS, Medienberaterin, AutorinEdith Klestil: Directrice in der Modebranche, Diplomatengattin, First Lady, begeisterte Mutter und GroßmutterBarbara Coudenhove-Kalergi: Journalistin, Kommentatorin, Buchautorin, Frau des Jahres 1990, RennerpreisträgerinBirgit Braunstein: Winzerin des Jahres 2004Prof. Lotte Tobisch: Schauspielerin, langjährige Organisatorin des Wiener Opernballs, Ehrenpräsidentin der Alzheimer Liga, Präsidentin des Vereins „Künstler helfen Künstler“, Ehrenpräsidentin des Vereins „Die Gesellschafterinnen“Dr. Uli Kastner:2005 Sponsion als UrgroßmutterDr. Ursula Xell-Skreiner :RechtsanwältinHildegard Breiner: Obfrau des Vorarlberger Naturschutzbundes, einzige europäische Preisträgerin des „International Nuclear-Free-Future-Award“ 2004, Mutter und GroßmutterDr. Eva Gräfin Walderdorff: KommunikationstrainerinDr. Viktoria Tischler: Landesgeschäftsführerin des OÖ Hilfswerks, Oberösterreichische Managerin des Jahres 2004Dr. Katharina Fischer-Ledenice: Leiterin des Hernstein Internationial Management Institute

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AMEISENZERSCHNEIDER

Reife Liebe. Zärtlichkeit im Alter. Sex im Altersheim.

„Lieber Gott, mach, dass es nicht wahr ist,“ flüsterte Anna. „Das ist doch Rudolf. Was macht der hier?“
Jahrzehntelang war er Stammfreier gewesen. Hatte sie vermutlich als seine große Liebe betrachtet. Er hatte sich als Franz, sie sich als Pedelaris vorgestellt. Als er sich bei ihr einmal duschte, fiel sein Ausweis aus der Jacke. Seitdem kannte sie seinen Namen, wusste, dass er ein hoher Ministerialbeamter war.
Josef hatte sich bei ihr schon einige Male über seinen Zimmerkollegen beklagt, der fast blind war. Stur sei er und eigensinnig. Dass es sich um Rudolf handelt, hätte sie nicht in ihren kühnsten Träumen gedacht. Jetzt, jetzt, im letzten Abschnitt ihres Lebens, musste sie ihn noch einmal treffen. Sie hatte gehofft, in diesem Pensionistenheim am Ende der Welt unerkannt zu bleiben. Wollte hier ihr Leben in Frieden beenden. Nur noch Anna sein, nie mehr Pedelaris...

Und ewig lockt das Weib! Auch im Altersheim.
Drei Männer, der blinde Rudolf, pensionierter Ministerialrat, Josef, Hilfsarbeiter und ehemaliger Polenflüchtling und Jahn, Maler mit Hang zum Aberglauben umschwirren Anna. Diese hieß früher Pedelaris und Rudolf war Stammfreier. Die Schicksale der im „letzten Haus Angekommenen“ greifen ineinander und geraten unweigerlich zur Eskalation ....
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Leseprobe

AMEISENZERSCHNEIDER

Jeder hat einen dunklen Fleck in seiner Vergangenheit

Das war doch diese raue, herbe Stimme mit dem unglaublichen Timbre.
Plötzlich vibrierte alles in Rudolfs Körper, als hätte er einen Presslufthammer verschluckt. Sein Körper füllte sich mit Wellen ungestüm pulsierenden Blutes. Wie lange hatte er sie nicht mehr gehört? Über drei Jahrzehnte musste es her sein, seit er an einem Montag vor der Tür im Souterrain gestanden und das verfluchte Wort "Neueröffnung" gelesen hatte.
Dabei kam es ihm wie gestern vor: lange schlanke Beine, wie er sie sich schon immer erträumte. Die über ihm in schwarzen Netzstrümpfen aufragten. Unglaublich erotisch und unglaublich aufregend.
"Mein Gott", stammelte er. "Pedelaris. Es ist Pedelaris." Rasch trat er einen Schritt in sein Zimmer zurück. Die Tür ließ er angelehnt, wollte das Gespräch mitverfolgen. Rudolf hörte, wie sie sagte: "Das Haus ist sehr schön und gepflegt."
"Ja, wir bemühen uns um das Wohl der Bewohner", antwortete der Direktor.
Warum führte der Leiter des Heimes Pedelaris durch das Haus? Der Blindenstock fiel ihm aus der Hand. Er hob ihn auf und drückte sein Ohr wieder in die Türspalte. Ihre Worte prickelten wie Champagner in seinem Körper.


Das Leben zu Ende zu Leben ist kein Kinderspiel (Boris Pasternak)Hier im Heim würde sie zur Ruhe zu kommen, Frieden schließen mit der eigenen Vergangenheit.
Hier wollte sie wieder Anna heißen. Jahrzehntelang war sie nicht Herrin ihres Lebens gewesen, hatte sie das Gefühl gehabt, wie auf einem Förderband durch das Leben gezogen zu werden, immer in Angst, vom Band zu fallen.
Ihr Elternhaus. Die Zeit als Domina. Ihre Ehe. Jetzt war dieses Band nach so vielen Jahren endlich stehen geblieben.
Wie viel hatte sie sich von der Ehe erwartet, wie wenig hatte sie bekommen. Wie elend sie sich vor der Scheidung gefühlt hatte! In einem Straflager hätte sie wenigstens Aussicht auf Flucht gehabt. So aber war sie in sich selbst gefangen.
Anna hatte Angst vor dem Altwerden. Davor, dass die Kräfte abnahmen, dass sie immer langsamer wurde, dass ihre Hüfte ihr immer mehr Wege verbot. Davor, dass sie auf die Schwestern angewiesen wäre, nicht mehr alles selbst im Griff hätte. Wenn sie die alten Männer und Frauen in der Eingangshalle sitzen sah, wie sie auf die Tür starrten, in der Hoffnung, doch noch Besuch zu bekommen, dass etwas, irgendetwas die Tage unterbrechen möge! Der lange Händedruck beim Abschied. Wie sie endlos redeten, wenn ihnen die Schwester das Essen brachte.
Am Abend, wenn sie den Wein getrunken hatte, nahm sie den grauen Umhang, umhüllte damit ihren Körper. Öffnete behutsam die Tür zum Park. Wollte nicht gesehen werden. Wollte allein sein. Dann eilte sie hinunter zum kleinen Bach. Setzte sich auf die Holzbank, die nahe dem Ufer stand. Es war ihr, als würde sie den vergangenen Tag zum Ufer des Flüsschens tragen. Manchmal blieb sie dort, bis es dunkel wurde. Sie stützte den Arm auf die Lehne der Bank. Sah zu, wie die Nacht kam. Nicht aus einer bestimmten Richtung. Sie kroch langsam von allen Seiten heran. Breitete sich aus wie schwarze Tinte auf einem Löschblatt. Oft blieb Anna, bis es tiefdunkel war und der Mond schwer wurde. Sie konnte sich nicht von der Stelle lösen. Sie war im Einklang mit der Natur. Hier entsorgte sie das Tagesgeschehen in dem kleinen Fluss. An manchen Tagen saß sie so lange, bis sie fror und die Sterne zu leuchten begannen. Das bläuliche Mondlicht nahm sich zwischen den Bäumen wie Schimmel aus. Es berührte sie nur leicht. Streifte sie nur zärtlich. Unter den Zweigen der großen Linde wirkte die Nacht sehr still, schwarz und tief. Das Altenheim oben warf seinen Schatten. Einen tief umrissenen Schatten. Der Mond ließ auch den Wald am Horizont wie in einem Schattenspiel, wie ein wogendes Meer aussehen. Hier fand sie die Kraft, ihr Leben am nächsten Tag wieder neu zu beginnen


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Leseprobe

VORZEIGEFRAU
Schein oder Sein

Lebe, so als wäre jeder Tag dein letzter, gleichgültig, was man darüber denkt!“

Kristina zog die Geheimlade ihres Schreibtisches auf und suchte das « bestimmte Couvert ». Den orangefarbenen, großen Umschlag, den sie immer wieder mit Klebstoff fest verschloß, wonach sie über den Verschluß mit schwungvoller Schrift ihre Paraphe schrieb und ihn dann wieder in die Lade zurücklegte. Manchmal vergaß sie diese Botschaft, die in ihrem Sekretär schlummerte. Aber dann gab es Tage, da mußte sie einfach nachsehen, ob noch alles gut verklebt wäre oder ob doch schon jemand den Weg zu ihrer Geheimbotschaft gefunden hätte. Denn noch war nicht Zeit dafür. Manchmal, an Tagen, an denen ihre Stimmung melancholisch war, wenn sie an die vielen, vielen Erlebnisse ihres Doppellebens dachte, da nahm sie Platz an ihrem Schreibtisch und vertiefte sich in die Lektüre. Und oft fragte sie sich, ob sie alles in ihrem Leben richtig gemacht hatte. Doch wer hat das schon? Wer kann von sich behaupten, alles in seinem Leben immer nur im wahren Bemühen um Ehrlichkeit, Gerechtigkeit und Liebe getan zu haben? Wer saß nicht im Glashaus? Wer wollte den ersten Stein werfen? Wer wollte andere verurteilen, wenn er selbst Fehler machte? Wer gab zu Egoist zu sein? Sicher ist eine gesunde Portion von Eigenliebe lebensnotwendig. Vor allem bei Frauen, denn diese können bis zur Selbstaufopferung helfen. Sie dienen, immer im Bestreben geliebt zu werden, im Bemühen allen alles recht zu machen, mit dem Ziel vor Augen, anerkannt und geschätzt zu sein. Doch tief drinnen in ihrem Herzen zu wissen, dass sie nur ausgenutzt wurden. Dann fressen sich langsam Trauer, Wut und Verzweiflung über ein Leben, das sie führen, aber gar nicht wollen, in ihnen fest und die Spuren werden von Jahr zu Jahr stärker sichtbar. Kristina hatte diese Entwicklung an sich beobachtet, hatte begonnen ein Doppelleben zu führen, um ihre Seele zu retten, um ihre Gefühle nicht sterben zu lassen, um einen Weg aus ihrer Trostlosigkeit und ihrem Pflichtbewußtsein zu finden. Die Papiere, die sie nun in der Hand hielt, waren Zeugnisse einer Zeit, von der allein sie aussagen konnten, was sich abgespielt hatte. Diese Aufzeichnungen waren Beichtvater, Therapeut, Psychologe, Freund, Berater, Seelenverwandter; sie waren Wegweiser; sie waren geduldig und aufmerksam, sie waren immer zur Hand, sie warteten zu jeder Stunde und Sekunde des Tages und zu ihnen konnte Kristina immer Vertrauen haben. Diese Papiere würden nie sagen: „jetzt habe ich keine Zeit“, sie würden nie sagen: “heute ist aber ein eher ungünstiger Tag“, sie würden nie sagen: „ich habe selbst Probleme und kann dir leider nicht zuhören ...“ Bemerkungen, Andeutungen, wie sie Kristina oft und oft erfahren hatte, um sich dann enttäuscht zurückzuziehen. Mit der Trauer, mit dem Kummer im Bauch, und nie wußte sie, wohin damit. Hier mußte sie nicht bitten: „hast du jetzt Zeit?“, musste nicht warten, so lange, bis die Fragen, die sie stellen wollte, schon verpufft waren, schon nicht mehr auf der Zunge brannten, bis sie vor lauter Geduldigsein verloren gingen.

„Nimm ein Kompliment als das, was es ist: positive Energie für den ganzen Tag“


Kristinas T-Shirt klebte an ihrem Rücken fest, sie hatte beim Aufstieg stark geschwitzt. Aber der Ausblick von diesem kleinen Hügel versöhnte sie mit der Anstrengung und so stand sie dankbar da und ließ das Naturschauspiel auf sich wirken. Die Sonne strahlte, sie spürte ihre Wärme im Gesicht. Das Licht war schon sehr grell, so daß Kristina blinzeln mußte. Wie schön war doch die Natur, wie friedlich lag das Land unter ihnen, wie herrlich blau war der Himmel und wie wohltuend war es nichts zu hören außer dem Zwitschern der Vögel und dem eigenen Atem. Der hatte sich nun beruhigt. Kristina wußte, sie hatte heute früh etwas geleistet, weil sie es selbst gewollt und nicht weil sie jemand dazu überredet oder angetrieben hatte. Das war ihr zuwider: Immer zu Höchstleistungen angetrieben zu sein, um in der Gesellschaft, um im Verwandtenkreis bestehen zu können. Um keine Vergleiche scheuen zu müssen, wer der Beste wäre, wer der Tapferste, der Klügste, der Fleißigste. Immer wurde verglichen und gemessen, alles war reiner Konkurrenzkampf. Es zählte nicht mehr der Charakter, nicht mehr das persönliche Wesen, es zählte nur mehr, daß man alle ausgestochen hatte und damit prahlen konnte. Wie gerne würde sie diese Menschen packen und rütteln und so lange hin- und herschütteln, bis sie begriffen hatten, daß es um mehr ging, als um die Leistung oder darum, daß man besser war als der Nachbar oder die Nachbarin. Daß es wichtiger war, Lebenswertes zu erhalten, die Natur zu schonen und zu schützen vor allen Forschungsprojekten, die sich über unsere Lebensmaximen hinwegsetzen. Die dem Menschen die letzten Ressourcen nehmen wollen, die noch geblieben sind. Doch wer bestimmte, was lebenswert ist? Die Medien? Die Zeitungen, die Journalisten, die Ärzte? Kristina stand unbeweglich. Sie hatte die Hände Richtung Sonne gestreckt, hatte ihre Augen geschlossen und sah doch ganz genau die wunderbare Landschaft vor ihrem geistigen Auge. Alles strahlte eine ungeheure Kraft und gleichzeitig Frieden aus, alles war im Einklang mit ihr und ihrem Wesen. Sie fühlte sich so gut wie schon lange nicht mehr, sie fühlte sich verbunden mit dem Universum, mit allen Kräften um sie herum und sie war glücklich. War dies möglich? Glücklich zu sein, nur weil man in der Natur stand, nur weil man die Sonnenstrahlen auf sich spürte, nur weil man gleichmäßig atmete? War dazu nicht jemand anderer notwendig? Genügte man sich auf diese Weise tatsächlich selbst? Wohlig weich fühlte sich ihr Körper an, leicht wie der Wind; nichts tat ihr weh, nirgendwo war mehr ein Stechen zu spüren, nur ihr Atem begleitete sie und die Kraft der Sonne leuchtete sie aus, breitete sich aus, erwärmte ihr Herz, ließ sie eine ungeheure Dankbarkeit empfinden. Eiligen Schrittes ging es wieder hinunter. Jessica hüpfte vor ihnen her, und alle machten es ihr gleich. Ein richtiges den- Berg-hinunter-Stürmen ging vor sich, Lachen lag in der Luft, Fröhlichkeit breitete sich aus und flog in den Himmel, wie um Menschen, die nicht so glücklich waren wie sie eben aufzuwecken aus ihrem Dornröschenschlaf und sie mit ihrer Heiterkeit anzustecken. So schnell sie die Beine trugen, übersprangen sie kleine Steine, wichen geschickt großen Wurzeln aus und liefen dem Frühstück entgegen. Das hatten sie sich wohl redlich verdient.

„Von der Wiege bis zum Tod brauchen wir Zärtlichkeit.“

Wem tat sie weh, - tat sie wem weh? wenn sie das, was das Natürlichste der Welt war: einen anderen Menschen zu spüren, zu fühlen, sich nicht gestattete? Nur sich selbst würde sie verletzen. Wie oft hatte sie sich selbst weh getan, - immer wieder - weil sie ihre Wünsche ignoriert hatte. Aus moralischen Gründen. Sie hatte immer auf andere Rücksicht genommen. Nimm Rücksicht, hatte es geheißen. War es nicht ein Fingerzeig des Schicksals, das Schicksal sprach zu ihr, jetzt, gerade jetzt, da sie sich mit der Liebe beschäftigte, jetzt wurde ihr diese dargeboten - Ihr, sie war gemeint. – Nur sie. - Sie hatte die Wahl: links gehen - rechts gehen? Wohin gehen? Welchen Weg? – Ihr Gefühl, ihr Gefühl, was sagte ihr Gefühl? - Sollte sie ihm trauen? Oder dem Verstand? – Dem Verstand nachgeben? – Schon wieder, immer wieder? - Sollte sie den erhobenen Zeigefinder beachten, was sagte er? – Was wollte er? – Er war das schlechte Gewissen. – Nein, kein schlechtes Gewissen! – Nur jetzt! Jetzt. Genießen, einfach genießen!

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