Buchkritiken

PRESSEARTIKEL zu "AMEISENZERSCHNEIDER"

NÖN Woche 13 / 2007 - KULTUR
Kronenzeitung 20.12.2006

 

Lesen Sie auch das Interview mit Dr.Siegfried Meryn

WENN SEXUALITÄT IN DIE JAHRE KOMMT
Leben & Freude hat mit Sexualmedizinerin Elia Bragagna, Siegfried Meryn, Facharzt für innere Medizin und Autorin Josefa Mayer-Proidl über das Tabuthema gesprochen:
AUSZUG AUS DEM ARTIKEL LEBEN UND FREUDE

Dr. Siegfried Meryn: Facharzt für innere Medizin an Autorin Josefa Mayer-Proidl:

Ich möchte Ihnen zu diesem Buch gratulieren. Ich finde es großartig und Sie haben damit ein wohl bekanntes Problem angesprochen. In einer Gesellschaft, wo nur noch das Jungsein gilt, haben wir sowieso ein Problem mit dem Älterwerden, vor allem auch mit Seniorenwohnhäusern. Generell – weil sie uns an die eigene Endlichkeit erinnern, an die eigene Vergänglichkeit. In dieser Gesellschaft wollen wir das aber alle nicht wahrhaben. Als absolute Steigerung dessen – der Gedanke, dass ältere Menschen auch das Bedürfnis nach körperlicher Nähe, nach Zärtlichkeit, Halten, Streicheln, Küssen, haben. Bis hin zum Geschlechtsakt und der Sexualität – das ist überhaupt etwas, das die Gesellschaft nicht wahrhaben will. Daher finde ich es toll, dass Sie dieses Buch geschrieben haben. Die Problematik ist teilweise: Die Jungen wollen es nicht hören, weil sie es noch nicht wahrnehmen, dass es sie betreffen wird. Die Älteren kommen aus einer Generation, in der das offene Sprechen über und Ansprechen von Sexualität und sexuellen Veränderungen, die mit dem Älterwerden einhergehen, kein Teil des Lebens war und ist.

Es gibt mittlerweile wissenschaftliche Studien, die in den letzten fünf Jahren teilweise in Deutschland und dem angloamerikanischen Raum entstanden sind, eindeutig nachweisen, dass 75 % aller Männer über 60 oder sogar 70 das Bedürfnis nach Sexualität (diese muss man aber definieren) haben und rund 50 bis 60 % der Frauen auch. Daher halte ich es für absolut absurd, dass wir so tun, als gäbe es das nicht, denn die Daten zeigen, es ist so. Wenn man mit den Menschen spricht, sagen sie es ja auch. Es ist uns wichtig und ich möchte angegriffen werden, aber in der Öffentlichkeit ist es tabu.
NÖN Woche 38 / 2006 - KULTUR
 
 

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